Was ist das Elder Futhark?
Das Elder Futhark (altenglisch: »Älteres Futhark«) ist das älteste überlieferte Runenalphabet der germanischen Völker. Seinen Namen trägt es nach den ersten sechs Runen: ᚠ (Fehu), ᚢ (Uruz), ᚦ (Thurisaz), ᚨ (Ansuz), ᚱ (Raidho) und ᚲ (Kenaz) – analog zur griechischen Bezeichnung »Alphabet« nach Alpha und Beta.
Die ältesten gesicherten Inschriften des Elder Futhark datieren in das 2. Jahrhundert nach Christus. Der Meldorfer Kamm (ca. 50–100 n. Chr.) und die Vimose-Inschriften (ca. 160 n. Chr.) gelten als die frühesten belegten Zeugnisse. Das Alphabet war bis etwa zum 8. Jahrhundert in Gebrauch, bevor es durch das Jüngere Futhark (16 Runen) und das angelsächsische Futhorc (28–33 Runen) abgelöst wurde.
»Ich weiß, dass ich hing am windgepeitschten Baum neun Nächte lang, vom Speer verwundet, geweiht dem Óðinn, mir selbst geopfert auf jenem Baum, von dem kein Mensch weiß, aus welchen Wurzeln er wächst.«Hávamál, Strophe 138 (Edda) – Óðinns Empfang der Runen
Geografische Verbreitung
Inschriften des Elder Futhark wurden über ganz Nordeuropa verteilt gefunden: Skandinavien, die Britischen Inseln, das heutige Deutschland, die Niederlande und sogar bis in das Schwarzmeergebiet. Die Träger dieser Runenkultur waren Gothen, Angeln, Sachsen, Friesen und die nordischen Völker.
Bedeutende Fundorte sind unter anderem der Guldbjerg-Schwert (Dänemark, ca. 200 n. Chr.), der Gallehus-Goldhorn (ca. 400 n. Chr.) sowie zahlreiche Brakteaten (Goldmedaillons) aus dem 5.–6. Jahrhundert, auf denen Runen in magischem Kontext erscheinen.
Die drei Ættir des Elder Futhark
Die 24 Runen des Elder Futhark gliedern sich in drei Gruppen zu je acht Runen, die Ættir (altnordisch: »Familien«, Singular: Ætt) genannt werden. Diese Systematik ist in mittelalterlichen Runengedichten überliefert und bildet die Grundlage des traditionellen Runenstudiums.
Jede Ætt trägt ihren Namen nach einer Gottheit oder dem ersten Zeichen der Gruppe. Die drei Ættir entsprechen in ihrer Struktur auch einer kosmologischen Reise: vom Materiellen über die Prüfung hin zur Meisterschaft.